Social Media erlebte im Jahr 2009 einen gewaltigen Boom - aber reicht dies alleine als Rechtfertigung für exorbitant hohe Marketingmaßnahmen im Social Web? Berlin–Bonn, 03.10.2010
Chancen und Grenzen: Social Media als Marketinginstrument

Social Media als Marketinginstrument kann längst noch nicht jedes Unternehmen überzeugen. Dies trifft besonders auf kleine und mittlere Unternehmen zu, die oft viel Zeit und Geld bei nur geringen Resultaten investieren müssen: Viel Hysterie, aber wenig Umsatz! Die Umsätze, die durch soziale Medien generiert werden, stehen oft in keinem Verhältnis zum Aufwand, der betrieben werden muss, insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU).

Als Als Beispiel dafür steht der US-Onlineshop Blank Label, eine Firma für selbst designbare Hemden: Das Unternehmen hatte zunächst eine Vielzahl von Web-2.0-Profilen angelegt und diese in der Folgezeit sorgfältig gepflegt. Nahezu 2.000 „Freunde“ wurden bei Facebook gewonnen – aber keinen einzigen neuen Kunden. Soziale Medien taugen offenbar nur wenig zur konkreten Umsatzsteigerung, war daraufhin die Schlussfolgerung.

Im Hinblick auf die Gewinnung von Neukunden oder eine signifikante Steigerung des Umsatzes sollte man von vornherein nicht zu hohe Erwartungen bei Social Media als Marketinginstrument haben, was aber wiederum nicht heißt, dass beides prinzipiell ausgeschlossen ist. Die große und besondere Chance von Social Media besteht jedoch darin, dass hiermit eine viel direktere Servicekultur über die sozialen Netzwerke gepflegt werden kann. Aus den von Kunden hinterlassenen Kommentaren können zudem oftmals nützliche Verbesserungstipps gezogen werden. Auch lassen sich Sonderangebote leichter bekannt machen und über Mundpropaganda verbreiten.

Was man von Social Media erwarten kann, zeigt der Champagner-Onlineshop Champire, der ebenfalls auf Social Media setzt. Das Unternehmen unterhält eine Fanpage bei Facebook. Allerdings haben die Betreiber hier realistische Vorstellungen von Wirkung und Nutzen:
1. Bekanntheit steigern
2. Neue Fans gewinnen
3. Weiterempfehlungen generieren
4. SEO optimieren
5. Conversion erhöhen
6. Aus Fans Käufer machen

Wohlgemerkt, die Neukundengewinnung steht hier an letzter Stelle.
Aber die Investition kann sich dennoch als lohnend heraus stellen, da dieser Marketing-Kanal eine hohe Langlebigkeit aufweisen kann und mitunter über Jahre hinweg bei sozialen Netzwerken und auf Shopping-Portalen seine Wirkung entfaltet. Zudem wird in Deutschland die Nutzung von sozialen Netzwerken am Arbeitsplatz ebenfalls immer beliebter. Das hat der Software-Anbieter Trend Micro in einer kürzlich veröffentlichten Studie festgestellt. In den vergangenen zwei Jahren wuchs die Zahl der deutschen Büro-Netzwerker um 11 %. 2008 waren es nur 13 %, die ihre Arbeitszeit mit posten, adden und twittern verbringen. Jetzt sind es bereits
24 % ! Allein beim Kurznachrichtendienst Twitter wuchs die Besucherzahl um fast zweitausend Prozent, wie das Marktforschungsinstitut Nielsen errechnete.

Neben Videobeiträgen, Spielen und Quizfragen, die recht gute Klickraten aufweisen und zum Teil sogar einen hohen Suchtfaktor haben, ist natürlich auch das vollständige Ausschöpfen von Verbindungsmöglichkeiten der Werbekanäle wichtig. Ein Link zu ihrem Profil bei Twitter oder Facebook sollte da in der Werbe-E-Mail schon dabei sein - also stets mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen! Dies gilt auch für das sogenannte „Crowdsourcing“: Lassen Sie bestehende Fans ihrer Marke oder ihrer Firma einfach selbst Werbung machen. Hochgeladene Fotos auf den Profilseiten ihrer Kunden oder integrierte Links zu ihren Artikeln können wahre Wunder wirken, da Anwender gern auf die Meinung Dritter hören. Kostenlose Downloads und Inhalte wie White Papers, Bilder oder Coupons bereit stellen! Die Nutzer werden es sich herunterladen und „sharing“ betreiben, es also weiter verbreiten - vorausgesetzt, es ist nicht langweilig! Auch Umfragen – Kunden geben gerne zu allerlei Dingen ihren Senf dazu – und kleine Wettbewerbe als Attraktionsmöglichkeiten aktivieren Interessenten, denn der Ehrgeiz der Menschen, in etwas besser sein zu wollen als andere, lässt sich für das Online-Marketing nutzen. (zi)